Positive Leadership: So entfalten Mitarbeitende ihr volles Potenzial

Positiv geführte Teams steigern die Zufriedenheit der Mitglieder, binden Talente und arbeiten profitabler. Denn: Glückliche Mitarbeitende sind belastbarer und produktiver. So funktioniert positive Führung im Alltag, diese Rolle spielt dabei das PERMA-Modell. Wie das geht, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Autor/in Julia Kowal
Datum 18.03.2025
Lesezeit 6 Minuten

Für den Erfolg eines Unternehmens sind nicht nur die Qualifikationen und Kompetenzen der Mitarbeitenden entscheidend, sondern in hohem Masse auch die Zufriedenheit innerhalb der Belegschaft. Führungskräfte spielen für die Zufriedenheit ihrer Teammitglieder eine entscheidende Rolle. Die Art und Weise, wie sie Mitarbeitende führen, ist für deren Glück, Motivation und Produktivität ausschlaggebend. Es gilt, die positiven Emotionen zu stärken. Die Methode der positiven Führung gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Was bedeutet positive Leadership?

Positive Leadership – zu Deutsch positive Führung – ist ein Modell der Mitarbeiterführung, das sich aus der Positiven Psychologie ableitet. Der Psychologe Kim Sterling Cameron hat den Begriff als Konzept Organisationskultur geprägt. Es stellt die positiven Emotionen, die Stärken und Kompetenzen von Individuen, Teams und Organisationen in den Vordergrund.

Ziel dieses Führungsstils ist es, die positiven Emotionen und Potenziale der Mitarbeitenden zu fördern. Auf diese Weise sollen die Motivation, Innovationskraft und Produktivität der Teams erhöht werden. Zugleich soll die gesamte Organisation durch den gestärkten Zusammenhalt auch resilienter gegen Herausforderungen werden.

Positive Führung wirkt sich einerseits organisational und andererseits individuell aus: Durch Stärkung der positiven Emotionen erhöhen sich die Leistungen im Unternehmen, die Qualität der Arbeit und die Kundenbindung steigen. Aber auch für die einzelnen Personen hat dieser Führungsstil einen hohen Effekt: Glückliche Mitarbeitende sind gesünder, lernen besser und führen gute Beziehungen zu anderen. Dies wiederum wirkt sich spürbar auf ihre Arbeit aus.

Was sagt die Wissenschaft?

Eine wachsende Anzahl empirischer Forschungsarbeiten zeigt, dass positive Führungspraktiken Ergebnisse auf zwei Ebenen erzielen:

  • Organisational: Erhöhung der Produktivität, Profitabilität, Qualität, Innovation und Kundenbindung.
  • Individuell: Verbesserung der körperlichen Gesundheit, des emotionalen Wohlbefindens, der Gehirnfunktion, des Lernens und der zwischen-menschlichen Beziehungen.

Wissenschaftliche Grundlagen: Das PERMA-Modell

Ein zentrales Konzept der positiven Führung ist das PERMA-Modell von Martin Seligman. Es beschreibt fünf Säulen des Wohlbefindens:

  • P wie positive Gefühle: Gefühle wie Dankbarkeit, Hoffnung, Zuneigung, Wertschätzung, Zuversicht oder Genuss sind wichtige Faktoren für die Zufriedenheit eines Menschen. Ein positiver Führungsstil pflegt und fördert diese Emotionen.
  • E wie Engagement: Wer seine Stärken im Arbeitsalltag nutzten kann, ist zufriedener und motivierter. Führungskräfte sollen die Stärken der Mitarbeitenden fördern und ihnen ihren Kompetenzen entsprechende Aufgaben zuweisen.
  • R wie Relationships (Beziehungen): Harmonische Beziehungen, gute Kontakte und das Gefühl, sich auf andere verlassen zu können, tragen zum persönlichen Glückgefühl bei. Der positive Führungsansatz stärkt zwischenmenschliche Beziehungen.
  • M wie Meaning (Sinn): Hat die Arbeit eine Bedeutung für den Mitarbeitenden, ist er/sie glücklicher und motivierter. Eine positive Führungskraft gibt den einzelnen Aufgaben eine Bedeutung und stellt ihren übergeordneten Sinn dar. Zugleich schafft er/sie ein Umfeld, in dem Mitarbeitende ihren Wünschen entsprechend arbeiten können.
  • A wie Accomplishment (Zielerreichung): Erreichen Mitarbeitende die gesteckten Ziele, steigert sich ihr Selbstwert- und Glücksgefühl. Positive Führungskräfte setzen mit den Mitarbeitenden konkrete und erreichbare Ziele.

Positive Führung im Arbeitsalltag

Um das PERMA-Modell und den positiven Führungsstil im Arbeitsalltag umsetzen, stehen unterschiedliche Methoden zur Auswahl. Einige Beispiele, wie Sie als Führungskraft die positiven Emotionen und Stärken Ihrer Mitarbeitenden konkret fördern:

  • Dankbarkeit zeigen: Drücken Sie Ihre Wertschätzung für die Leistungen der Mitarbeitenden regelmässig aus.
  • Stärken erkennen und nutzen: Besinnen Sie sich auf Ihre eigenen Fähigkeiten und nutzen Sie sie im Alltag.
  • Positive Kommunikation fördern: Verwenden Sie konstruktive Sprache. Sagen Sie zum Beispiel «Ja, und» statt «Ja, aber».
  • Perfektionismus hinterfragen: Reduzieren Sie Stress und erhöhen Sie die Effizienz, indem Sie sich mit «gut genug» zufriedengeben.
  • Tagebuch führen: Notieren Sie täglich Dinge, für die Sie dankbar sind. Das erhöht den Optimismus und steigert die Resilienz.

Empirische Forschung belegt den Effekt

Studien belegen, dass glückliche Mitarbeitende produktiver sind: Die Gallup-Studie «State of the Global Workplace 2024»  zeigt, dass motivierte Angestellte bis zu 800 Prozent mehr leisten als solche, die unzufrieden sind und über einen Jobwechsel nachdenken. Dies bedeutete für Unternehmen im Jahr 2023 Einbussen zwischen 132,6 Milliarden Euro und 167,2 Milliarden Euro.

Der Psychologe Dr. Markus Ebner hat zu den positiven Effekten des PERMA-Modells jahrelang geforscht und stellt seine Ergebnisse in den Büchern «Positive Leadership – Mit PERMA-Lead erfolgreich führen» und «Positive Leadership in der Praxis» dar (beide 2024 im Verlag facultas erschienen). Ihm zufolge korreliert die PERMA-Führung mit geringerer Stressbelastung und Burnout-Gefährdung innerhalb der Belegschaft. In Supermärkten ermittelte er einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem durchschnittlich pro Einkauf ausgegebenen Betrag und dem von den Mitarbeitenden bewerteten Führungsstil der Filialleitung.


Autor/in

Julia Kowal

Julia Kowal ist freie Redakteurin. Sie hat Germanistik mit Zusatzbereich Medienwissenschaften studiert und während ihres Studiums als freie Mitarbeiterin bei einer Lokalzeitung gejobbt. Nach ihrem Master-Abschluss hat Julia ein zweijähriges Volontariat in einem Verlagshaus absolviert und anschliessend einige Jahre in der Online-Redaktion eines mittelständischen Unternehmens gearbeitet. Inzwischen schreibt sie als selbstständige Redakteurin und beschäftigt sich schwerpunktmässig mit den Themen IT und Tech sowie Human Ressources und Consulting.

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