Projektmanagement-Zertifizierungen sinnvoll oder nicht?
Projektmanagement-Zertifizierungen belegen Fachwissen und Kompetenz. Von IPMA bis CAPM: Die Auswahl ist gross. Aber welche Zertifizierung ist sinnvoll und die richtige Wahl für dich?
Projektmanagement-Zertifizierungen sind standardisierte Nachweise deiner Fach- und Methodenkompetenz im Projektmanagement. Sie bestätigen, dass du die Grundlagen, Prozesse, Tools und Standards beherrscht, die (inter-) national anerkannt sind. Egal, ob du gerade erst in die Projektwelt einsteigst, oder jahrelange Erfahrung mitbringst, eine Zertifizierung kann den nächsten Karriereschritt ermöglichen. Erfahre mehr darüber, welche Abschlüsse es gibt, warum Zertifizierungen sich lohnen und wie du die richtige Wahl für deinen Karriereweg triffst.
Warum Projektmanagement-Zertifizierung? 6 Gründe.
1 Sichtbarer Beleg für Kompetenz
Eine Zertifizierung ist ein objektiver Nachweis deiner Fähigkeiten. Du zeigst damit, dass du Projekte nach anerkannten Standards planen, steuern und erfolgreich abschliessen kannst.
2 Karrierechancen und Marktwert
Unternehmen achten vermehrt auf formale Qualifikationen, weil sie Transparenz, Vergleichbarkeit und Sicherheit schaffen. Mit einer Projektmanagement-Zertifizierung schärfst du dein Profil und hebst dich von Mitbewerber/innen ab. Das bietet Karriere- und Gehaltsvorteile.
3 Methodensicherheit
Du lernst etablierte Prozesse, Techniken und Tools, die weltweit zum Einsatz kommen. Das gibt dir Sicherheit in deinem Arbeitsalltag und macht dein Vorgehen strukturiert und nachvollziehbar.
4 Vereinfachte Zusammenarbeit
Wenn alle im Team dieselben Begriffe und Strukturen kennen, vereinfacht sich die Kommunikation. Einheitliche Standards fördern Effizienz und Transparenz.
5 Vergleichbarkeit weltweit
Zertifikate wie CAPM oder IPMA machen deine Kompetenz vergleichbar und messbar, ob in der Schweiz, in Europa oder international.
6 Komplexität meistern
Mit wachsender Projekterfahrung steigen auch die Herausforderungen. Zertifizierungen unterstützen dich dabei, grössere oder komplexere Projekte erfolgreich zu übernehmen.
Im Interview «Was bringt das Zertifikat IPMA Level D» erfährst du, wie sich das Wissen aus der Ausbildung in der Praxis bezahlt macht.
Welche Projektmanagement-Zertifikate gibt es?
Du kannst zwischen verschiedenen Projektmanagement-Zertifizierungen wählen. Jedes Zertifikat hat individuelle Schwerpunkte und richtet sich an unterschiedliche Erfahrungsstufen. Hier findest du einen Überblick zu den bekanntesten Abschlüssen:
- PMI CAPM: Certified Associate in Project Management (CPAM) ist kostengünstig und ideal für Einsteiger/innen. Daneben gibt es die Zertifizierung Project Management Professional (PMP), die 3-5 Jahre Berufserfahrung voraussetzt.
- IPMA: Die International Project Management Association (IPMA) bietet ein europaweit anerkanntes Stufenmodell an, das von Level D (Einsteiger/innen) bis Level A (Senior) reicht.
- PRINCE2: Projects in Controlled Environments (PRINCE2) ist stark prozessorientiert und bietet zwei Zertifizierungsstufen, von Foundation bis Practitioner.
- HERMES: Der offizielle Schweizer Projektmanagement-Standard, entwickelt vom Bund. Die Zertifizierungsstufen umfassen Foundation und Advanced.
Neben den oben genannten Zertifizierungen gibt es weitere agile Projektmanagement-Zertifikate, wie z.B. PMI Agile Certified Practitioner (ACP), APMG AgilePM, Scrum und SAFe.
PMI CAPM im Detail
Die CAPM-Zertifizierung (Certified Associate in Project Management) stammt vom Project Management Institute (PMI). Sie richtet sich an Einsteiger/innen, die grundlegendes Wissen nach internationalen Standards nachweisen möchten. Die Zertifizierung kann online oder in einem Testcenter (empfohlen) abgeschlossen werden. Die Prüfung dauert drei Stunden und besteht aus Multiple-Choice-Fragen. Wer bereits Berufserfahrung mitbringt, kann die Zertifizierung Project Management Professional (PMP) ablegen. Dafür werden 3-5 Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt.
IPMA im Detail
Die International Project Management Association (IPMA) unterteilt ihre Zertifizierung in vier Level von A bis D. So können sowohl Einsteiger/innen als auch Senior-Projektleiter/innen einen Nachweis ihrer Kompetenz erbringen. Level D fokussiert auf theoretische Kenntnisse, Level C und B verlangen praktische Erfahrung, und Level A richtet sich an Programm- und Portfolio-Manager/innen. Die Prüfung ist eine Kombination aus Selbsteinschätzung, schriftlicher Prüfung und Interview. Die IPMA-Zertifizierungen sind methodenneutral und decken sowohl klassische als auch agile Ansätze ab.
PRINCE2 im Detail
PRINCE2 ist besonders in Europa verbreitet und stark prozessorientiert. Es trennt klar zwischen der Projektsteuerung und der operativen Durchführung. Aktuell gibt es PRINCE2 7 in zwei Zertifizierungsstufen: Foundation und Practitioner. Während Foundation die Grundlagen abdeckt, fokussiert Practitioner auf die praxisnahe Anwendung in Projekten. Die Vorbereitung wird online, in virtuellen Live-Kursen oder vor Ort angeboten. Die Prüfungen bestehen aus Multiple-Choice-Fragen und sind je nach Stufe auf Terminologie, Fallstudien und Projektszenarien ausgerichtet.
HERMES im Detail
HERMES ist der offizielle Schweizer Standard für Projektmanagement. Ursprünglich entwickelt vom Bund, wird er heute auch in der Privatwirtschaft angewandt. Die Inhalte und Prüfungen basieren auf dem HERMES Online-Tool sowie dem Referenzhandbuch. Es gibt zwei Zertifizierungsstufen: Foundation und Advanced. Als HERMES Trainingspartner unterstützt dich Digicomp bei der Ausbildung. Weitere Informationen dazu im Artikel «So gelingt die HERMES (Re-) Zertifizierung».
Neben den genannten klassischen und agilen Zertifizierungen gibt es weitere Abschlüsse, die im Business Process Management (BPM) und in der Business-Analyse angesiedelt sind. Mehr Informationen dazu im Artikel «Zertifizierungsmöglichkeiten im Prozessmanagement».
Welche Projektmanagement-Zertifizierung ist die beste?
Die «beste» Zertifizierung gibt es nicht; sie hängt davon ab, welche Erfahrung du mitbringst, in welcher Branche du arbeitest und was deine Ziele sind. Im Artikel «Welche Zertifizierung für welche Branche» findest du eine detaillierte Entscheidungshilfe.
Für Einsteiger/innen eignet sich PMI CAPM, IPMA Level D, PRINCE2 Foundation und HERMES Foundation. Für erfahrene Projektleitende bietet sich PMI PMP, IPMA Level C bis A, PRINCE2 Practitioner und HERMES Advanced an. Wer klassische Stabilität mit agiler Flexibilität verbinden will, wählt AgilePM, Scum Master, PMI ACP oder SAFe.
Fazit
Projektmanagement-Zertifikate sind mehr als ein Eintrag im Lebenslauf. Sie sind Türöffner für neue Aufgaben, Vertrauen und Verantwortung. Sie schaffen Orientierung durch klare Standards, fördern methodische Sicherheit und steigern deine Kompetenz im Arbeitsalltag. Wer sich zertifizieren lässt, investiert in die eigene Karriere. Du erweiterst nicht nur dein Wissen, sondern wirst auch auf dem Arbeitsmarkt sichtbarer und positionierst dich als kompetente/r Projektmanager/in.