Smartphone und Social Media gehören zum Alltag von Kindern und Jugendlichen dazu. Lehrpersonen stehen vor der Herausforderung, sie im richtigen Umgang damit zu schulen. Denn Medienkompetenz ist inzwischen eine Kulturtechnik wie Lesen, Schreiben und Rechnen.
Wie bringt man Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz bei, wenn sie doch eh schon den ganzen Tag am Handy sind? Oft geht bei dieser Frage vergessen: Die jungen Generationen kennen zwar die neusten digitalen Trends, können die Inhalte und den Umgang damit aber oft nicht richtig einordnen. Hier sind die Lehrpersonen gefragt.
Die Digitalisierung hat die Gesellschaft bis in die letzten Ecken durchdrungen, Kindern wird das Smartphone praktisch in die Wiege gelegt. Eine James-Studie der ZHAW aus dem Jahr belegt, dass Handys und Computer in allen Schweizer Haushalten verfügbar sind, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen. Je höher der soziökonomische Status einer Familie ist, desto mehr Geräte sind vorhanden. Durchschnittlich verbringen Kinder und Jugendliche wochentags dreieinhalb Stunden am Handy, am Wochenende sind es täglich knapp fünf Stunden.
Schulen stehen deshalb vor einer grossen Aufgabe: Schülerinnen und Schüler müssen nicht mehr nur die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen, sondern als moderne Kulturtechnik auch Medienkompetenz erwerben. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass Kinder und Jugendliche einer anderen Mediengeneration angehören als ihre Lehrerinnen und Lehrer. Sie bringen bereits ein gewissen Vorwissen und spezielle Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien mit.
Die neuesten digitalen Trends kennt die junge Generation oft viel eher als ihre Lehrkräfte. Sie kann aber die Inhalte und den Umgang damit oft nicht richtig einordnen. Dabei setzen Buzzwords wie «Fake News» grosse Fragezeichen, auch problematische Nutzung sozialer Medien ist zunehmend ein Problem: Gut 7 Prozent der 11- bis 15-Jährigen zeigen laut Schweizerischem Gesundheitsobservatorium Suchtverhalten im Umgang mit digitalen Medien. Dieser Wert stieg innerhalb von vier Jahren um knapp drei Prozentpunkte. Medienerziehung und Medienbildung gewinnen deshalb in der Pädagogik an Relevanz.
Der Begriff beschreibt die Fähigkeit, selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit Medien umzugehen und sie sachkundig zu nutzen. Es geht zum einen um das technische Wissen, wie digitale Medien bedient werden, und zum anderen um den bewussten und kritischen Umgang damit. In der modernen Informationsgesellschaft gilt Medienkompetenz inzwischen als Schlüsselqualifikation.
Der deutsche Hochschullehrer und Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke prägte den Begriff massgeblich mit und setzte sich bereits in den frühen 1970er-Jahren als einer der Ersten damit auseinander. Er erklärte, dass «jeder Mensch prinzipiell als mündiger Rezipient zu betrachten sei, der zugleich als kommunikativ-kompetentes Lebewesen auch aktiver Mediennutzer ist» (Dieter Baacke – Medienkompetenz – Befrifflichkeit im sozialen Wandel).
Der Pädagogik kommt deshalb die Aufgabe zu, Medienkritik und Medienkunde zu vermitteln, damit Kinder und Jugendliche den souveränen Umgang mit Medien erlernen und Medien sinnvoll nutzen können. Schülerinnen und Schüler müssen im Unterricht die Gelegenheit erhalten, digitale Medien einzusetzen und Erfahrungen im Umgang damit zu sammeln.
Durch die Einbindung digitaler Medien in den Unterricht, lernen Kinder und Jugendliche den praktischen Einsatz. Zugleich können Lehrkräfte und Lernende gemeinsam Fragen zum Mediengebrauch diskutieren und beantworten. Zum Beispiel:
Wichtig ist also, Schülerinnen und Schüler nicht zu erklären, wie sie moderne Technologien nutzen – das können sie durch den privaten Gebrauch ohnehin schon. Zentraler Unterrichtsinhalt muss der bewusste Umgang mit Medien und deren Inhalten sein.
Lehrerinnen und Lehrer bekommen neue Aufgaben, auch ihr Rollenverständnis ändert sich. Sie sind nicht mehr Vermittelnde nur von Wissen, sondern Begleitende im Lernprozess. Sind einige Kinder und Jugendliche Umgang mit modernen Technologien geschulter als die Lehrkraft, können sie den anderen in der Klasse diese erklären. Die Lehrkraft moderiert den Prozess dann.
Lehrerinnen und Lehrer werden so zum Coach, der das Unterrichtssetting erstellt und das Lernen fördert. Dabei muss die Lehrperson nicht selber Profi sein, weil Kinder und Jugendliche bereits über eigenes Expertenwissen verfügen. Dieses sollte die Lehrkraft aber für den Unterricht nutzen. Das gilt sowohl für die Technologien als solche, als zum Beispiel auch für digitale Plattformen und Social Media. Lehrkräfte müssen nicht alle Plattformen kennen und jedes Jahr einen neuen Social Media Lehrgang besuchen. Wichtig ist, dass sie Kinder und Jugendliche im bewussten Umgang mit den Inhalten schulen.
Die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte sachkundig zu nutzen, kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll damit umzugehen.
Kenntnisse und Fähigkeiten, um technische Geräte und Software effektiv zu bedienen und für verschiedene Zwecke einzusetzen.
Fähigkeiten, um Lernende beim Erwerb von Medienkompetenz zu unterstützen, geeignete Lehrmethoden auszuwählen und Lernprozesse effektiv zu gestalten.
Verständnis für die Medienwelt, in der sich die Lernenden bewegen, um ihre Erfahrungen und Nutzungsmuster nachvollziehen und darauf aufbauend Bildungsangebote entwickeln zu können.
Kenntnisse über problematische Mediennutzung, wie exzessiven Gebrauch oder Cybermobbing, und Strategien zur Prävention und Intervention.
Offenheit und Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzubilden und flexibel auf Veränderungen im Medienbereich sowie auf neue pädagogische Herausforderungen zu reagieren.
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