Adobe Firefly wird drei Jahre alt: Vom KI Hype zur digitalen Infrastruktur
Drei Jahre nach dem Start der Beta-Phase: der erste Hype um Bild-KI ist verflogen. Ist Adobe Firefly erwachsen geworden? Kämpft die Adobe-Plattform mit Kinderkrankheiten oder steckt die ganze Technologie noch in den Kinderschuhen?
Das alte Jahr (2025) ist vorbei – das neue Jahr (2026) ist da!
Vor lauter Jahreswechsel habe ich ganz vergessen, nachzusehen, was neu in Adobe Firefly ist. Schliesslich wird das Baby dieses Jahr drei Jahre alt. Also, schnell auf https://helpx.adobe.com/ch_de/firefly/web/whats-new/new-features/whats-new.html gesurft und … leicht ernüchtert … festgestellt: im Westen nichts Neues.

Adobe Firefly gibt es jetzt auch für iOS. Aha! Ich nutze selten Mac, aber hatten die nicht schon immer einen Browser installiert?
Im Ernst: der erste Hype um KI, die Bilder generieren kann, ist vorbei. Wir ‘kämpfen’ immer noch(!) mit zu wenigen (oder zu vielen) Gliedmassen …

Prompt: «5 Menschen am See machen Yoga» generiert mit Adobe Firefly (Modell 3) am 13-JAN-2026
… oder halluzinierten Gerätschaften, die es so im echten Leben einfach nicht gibt.

Prompt: «ein Zephyrometer» generiert mit Adobe Firefly (Modell 3) am 13-JAN-2026
Wo also steht Adobe Firefly nach (knapp) drei Jahren? Steckt es noch in den Kinderschuhen? Weist es den Weg? Gehen wir gemeinsam auf Erkundungs-Tour!
Das Ende des Prompt-Hypes
Im Geburtsjahr 2023 von Adobe Firefly war es vielleicht noch irgendwie magisch: man gibt einen Prompt ein und ein paar Sekunden später erscheint ein Bild, welches – mehr oder minder – den eingegebenen Text widerspiegelt. Dieses Text-to-Image-Feature wurde zum Allheilmittel gegen Kreativitätsmangel hochgeschaukelt.
Es gab Tage, an denen begrüsste uns die Firefly-Startseite mit dem Slogan «Entfessle deine Kreativität!»… Naja … was, wenn mir grad nichts Kreatives einfällt? Und auch wenn ich grad eine tolle Idee hätte, bin ich der Typ, der Mühe hat, sie in Worte zu fassen. Willkommen in der Sackgasse!
Wer also vor der KI schon un-kreativ war, ist und bleibt es auch mit KI?
Als Kursleiter gebe ich gern folgende Antwort auf diese Frage: Nur, wer aufhört, dazu zu lernen!
Generative KI wird zu Infrastruktur
Vor 50 Jahren mussten Bildcollagen mühsam mit Cuttermesser und Leim erstellt werden. Heute stellt mir die generative KI in Sekunden eine Collage zusammen. Wer die Einführung des Zauberstab-Werkzeugs in Photoshop (schon!) miterlebt hat, weiss: das Werkzeug allein macht uns zwar nicht kreativer, aber geschickter!
Es geht also bei KI nicht um das ‘Was’ wir erstellen (lassen) wollen, sonder um das ‘Wie’, um den Weg dahin. KI ist nicht Lösung – KI ist Werkzeug.
Den Umgang mit Werkzeugen muss/darf/kann/soll/will man lernen. Die Talentierten machen das Nebenbei. Die Lernwilligen und Wissbegierigen an Kursen und Weiterbildungen.
Wenn ich also einer Gruppe von Kursteilnehmenden (Kursempfehlungen siehe Box) den Unterschied zwischen einem Rezept und einem Konzept erkläre, meine ich genau das: Ein Rezept befolgen kann man, ohne das Werkzeug zu verstehen. Wer aber das Werkzeug verstehen lernt, dem stehen alle ‘Rezepte’ dieser Welt offen.
Schuster, bleib bei deinen Leisten!
Für Adobe umformuliert müsste meines Erachtens folgendermassen heissen: «Adobe, bleib bei Photoshop! (Und überlass KI-Modelle anderen, die es besser können!)»
Adobe gibt mir tatsächlich recht, wie die aktuelle Prompt-Eingabe-Maske auf https://firefly.adobe.com zeigt:

Der blaue blinkende Rahmen flackert nämlich nicht (mehr) um den Prompt, sondern um das zu wählende Modell – hier im Bild «Gemini 2.5 (w/ Nano Banana)». Das Dropdown geöffnet, ist die Verwirrung komplett:

Es gibt also «Adobe-Modelle», welche «kommerziell sicher» zu sein scheinen, und «Partnermodelle», welche offensichtlich «von anderen erstellte Modelle» sind.
Was sind denn jetzt also die sprichwörtlichen «Leisten», bei denen Adobe bleiben soll? Ist es die Website-Oberfläche unter https://firefly.adobe.com? Sind es die kommerziell sicheren «Firefly Image»-Modelle? Oder doch Photoshop?
Die Antwort ist einfach: Ja! 🙂
Vom Modell zur Oberfläche
Was vor knapp 3 Jahren als KI-Modell begann, ist heute eine Multi-Modell-Oberfläche – ich nenne das «Storefront». Wer jetzt vor lauter «Modell» und «Storefront» nur noch Bahnhof versteht, besucht am besten einen Kurs bei Digicomp (Empfehlungen siehe Box) in welchem das, verständlich und mit praktischen Beispielen untermauert erklärt wird.
Oder man stellt sich das wie beim Mobilfunk vor: da gibt es unterschiedliche Netz-Anbieter (KI-Modell) und ganz viele Handy-Abo-Marken (Storefront). In der Schweiz beispielsweise verkauft sich das Netz der Swisscom sowohl unter dem Markennamen «Swisscom Mobile» wie auch unter «Wingo» oder «M-Budget Mobile».
Adobe Firefly war vor drei Jahren erst einmal ein KI-Modell. Und so ein KI-Modell brauchte natürlich auch eine Oberfläche – irgendwo musste man ja den Prompt eingeben können.
Heute ist https://firefly.adobe.com eine Plattform, die Zugang zu verschiedenen KI-Modellen bietet.
Warum dann noch eigene Modelle?
Auf der Webpage https://www.adobe.com/de/ai/overview/firefly/gen-ai-approach.html erklärt uns das Adobe mit geschliffenen Marketing-Phrasen. Kurz zusammengefasst können wir uns merken: im Gegensatz zu anderen KI-Modell kann Adobe garantieren, dass das Ergebnis «kommerziell sicher» ist. Und wenn eine Firma aus den USA – jenem Land, in welchem das misslungene Trocknen von Hunden in der Mikrowelle zu Gerichtsklagen geführt hat, weil nicht im Handbuch verboten – etwas «garantiert», dann will das schon was heissen.
Warum das relevant ist, zeigt uns ein kurzes Googlen nach «KI Urheberrechtsverletzung»:
- Disney & Universal verklagen Midjourney (https://www.srf.ch/news/wirtschaft/klage-wegen-piraterie-gegen-ki-disney-und-universal-verklagen-erstmals-ki-firma-die-gruende)
- Deutsche Richter sprechen OpenAI schuldig, Songtexte für KI-Training genutzt zu haben
(https://www.watson.ch/digital/kuenstliche-intelligenz/168635480-piloturteil-zu-chatgpt-openai-wegen-urheberrechtsverletzung-verurteilt) - Die New York Times verklagt Perplexity
(https://www.spiegel.de/netzwelt/new-york-times-verklagt-perplexity-verletzt-das-ki-startup-urheberrechte-a-708c474a-bc3a-4a2d-b333-ebfd5ff3d99c)
Wer also nicht Stunden damit verbringen will, das perfekte KI-Bild zu generieren, nur um dann verklagt zu werden, weil er kein «kommerziell sicheres» KI-Modell verwendet hat, klärt das eben im Vorfeld ab. Und die meisten, die in der Kreativ-Branche arbeiten, werden ungern verklagt. 😉
Und schon höre ich die Scharen von Stimmen: «Die Ergebnisse bei füge hier ein kommerziell nicht-sicheres KI-Modell ein sind aber viel besser!»
Meine Antwort: «Lerne das Werkzeug beherrschen!» (Entsprechende Kurse bei Digicomp sind oben bereits erwähnt und verlinkt.)
Ob Adobe Firefly-Modelle sich mit diesem Alleinstellungsmerkmal bzw. Wettbewerbsvorteil langfristig im Markt halten können oder ob es lediglich ein Übergangsargument von Adobe ist, bis der nächste Hype kommt, wird sich zeigen.
Und Photoshop?
Ja, Photoshop ist (noch) immer das Flaggschiff unter den Bildbearbeitungsprogrammen. Damit das so bleibt, kann seit Herbst 2025 auch in Photoshop das Modell gewählt werden, wenn mit KI gearbeitet wird:

Interessantes Fakt: innerhalb von Photoshop kann das «Firefly Image 1» -Modell gewählt werden – online unter https://firefly.adobe.com nicht.
Noch ein interesantes Fakt: online unter https://firefly.adobe.com kann (Stand Januar 2025) das Modell 4 gewählt werden – in Photoshop nicht.
Warum das so ist? … Habe ich die Digicomp-Kurse zu Firefly schon erwähnt?
Adobe muss sich aber tatsächlich warm anziehen, denn mit KI werden die anderen Werkzeuge immer irrelevanter. Wer beispielsweise weiss, mit welcher KI ich ganz ohne Maus ein Objekt in einem Bild mit einem anderen ersetzen kann, wird kein Photoshop mehr brauchen, um das Objekt erst einmal mühsam mit der Maus – wenn auch mit dem Zauberstab-Werkzeug – auszuwählen.
Welche KI das ist? Zeige ich gerne allen Interessierten in einem meiner Kurse.
Box mit Kursempfehlungen:
- https://digicomp.ch/weiterbildung-digital-media-design/adobe-creative-cloud-adobe-cc/adobe-photoshop/kurs-ai-im-adobe-workflow-mit-photoshop-illustrator-indesign-und-acrobat
- https://digicomp.ch/weiterbildung-digital-media-design/adobe-creative-cloud-adobe-cc/adobe-photoshop/kurs-ai-bilder-erstellen-mit-adobe-firefly-co
Fazit: Lifelong learning bändigt auch KI
Es heisst: Gib jemandem einen Fisch und er hat für einen Tag zu essen. Lehre ihn zu fischen und er wird nie mehr Hunger leiden.
Wer also vor drei Jahren, als die Beta-Version von Firefly im März 2023 das Licht der Welt erblickte, dachte: «Super! Meinen Job bin ich los!», darf aufatmen. Die totale Disruption der Kreativ-Branche ist ausgeblieben.
Was eingesetzt hat, ist eine Überschwemmung mit KI-Müll.
Tun wir etwas gegen diesen Müll! Fangen wir an kreative Werkzeuge wie Photoshop UND die Möglichkeiten der KI zu verstehen und sinnvoll einzusetzen.
Ich freue mich als Kursleiter persönlich darauf, das mit dir gemeinsam in einem Digicomp-Kurs zu tun.