Welche Anforderungen hat die Digitalisierung heute an die Unternehmensarchitektur? Wie haben sich verschiedene Technologien im Zuge der digitalen Transformation entwickelt? Diese und weitere Fragen beantwortet Markus Schacher, Trainer des neuen CAS-Lehrgangs «IT Architecture», in diesem Beitrag.
Vor etwa zwei Jahren hat mir ein Kunde ein Bild seiner IT-Architektur präsentiert und dabei gesagt «das da auf der linken Seite sind unsere digitalen Applikationen». Wie ein Blitz ist mir dann die Frage durch den Kopf geschossen: «Was ist denn das auf der rechten Seite?». Die Digitalisierung ist heute in aller Munde. Doch was ist mit diesem Modewort eigentlich gemeint und welche Aufgaben hat ein Unternehmensarchitekt im Zeitalter der digitalen Transformation?
Im engeren Sinne wird unter Digitalisierung die Überführung analoger Grössen (Töne, Bilder, physikalische Messungen etc.) in eine digitale (diskrete) Form verstanden. Diese Transformation analoger in digitale Daten hat zwar eine gewisse Wichtigkeit, greift aber zu kurz: denn die immer umfassendere Nutzung digitaler Rechner bedeutet auch die immer umfassendere Automatisierung von Tätigkeiten, die der Mensch zuvor manuell ausgeführt hat. Somit lässt sich die Digitalisierung durch die folgende Definition beschreiben:
«Digitalisierung ist die umfassende Delegation von Aufgaben von Menschen an technische Systeme, welche die heutige Informationstechnologie nutzen, um damit grundsätzlich neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen.»
Mit der Delegation von Aufgaben an technische Systeme soll einerseits deren Effizienz und Ausführungsqualität verbessert werden und andererseits soll der Mensch von diesen Aufgaben so weit wie möglich entlastet werden. Mit «technischen Systemen» sind hier eine ganze Reihe von Technologien gemeint, welche die Digitalisierung überhaupt erst möglich machen.
Die folgende Liste bildet bloss einen ersten Auszug von Technologien zur Digitalisierung:
Ähnlich wie mit dem Wort «Digitalisierung» verhält es sich mit dem Wort «Architektur». Was ist damit gemeint? Ich möchte mich hier an TOGAF anlehnen und von der folgenden Definition ausgehen:
«Architektur ist eine formale Beschreibung der wesentlichen Komponenten eines Systems, deren Beziehungen untereinander sowie der Prinzipien und Richtlinien zur Gestaltung und Evolution des Systems.»
In einem Unternehmen spielen verschiedene Arten von Architekturen eine Rolle. Das folgende Bild skizziert einige gängige Arten von Architektur von der Geschäftsarchitektur eines Unternehmens über seine IT-Architektur bis hin zur Evolutions- und Sicherheitsarchitektur. Es zeigt zudem, welche typischen «Komponenten» in diesen verschiedenen Architekturen zentral sind.
Abbildung 1: Verschiedene Architekturen im Unternehmenskontext
Alle relevanten Komponenten dieser Architekturen lassen sich in Form von digitalen Architektur-Beschreibungen (Modellen) dokumentieren und inventarisieren. Dies ermöglicht es beispielsweise einem Unternehmen, die IT-Architektur möglichst optimal auf die Bedürfnisse der Geschäftsarchitektur abzustimmen, aber auch durch dieses «Alignment» im Geschäft möglichst viel Nutzen aus der IT-Infrastruktur zu ziehen. Durch die Inventarisierung dieser Information kann ein Unternehmen rasch auf externe und interne Veränderungen agil reagieren sowie deren Konsequenzen abschätzen.
Ein wichtiger Punkt in der obigen Definition des Begriffs «Architektur» ist deren zweite Hälfte: es geht auch um die Prinzipien und Richtlinien zur Gestaltung und Evolution des Systems. Das heisst, ein Architekt muss sich auch Gedanken machen, wie er bzw. sein Unternehmen mit einer gewissen Ruhe aber stetig langfristige Ziele anstrebt, ohne sich in der Hektik neuer Ideen und Technologien zu verlieren.
Die systematische Digitalisierung eines Unternehmens lässt sich in fünf aufeinander folgenden Schritten angehen:
Dieser letzte Schritt – die Schaffung grundsätzlich neuer Geschäftsmodelle – ist das, was schliesslich auch als die «Digitale Transformation» bezeichnet wird.
Abbildung 2: Architektur als Grundlage der Digitalisierung1
Im Juni 2020 startet eine komplett überarbeitete und auf 16 Tage und 15 ECTS Punkte ausgebaute Version des CAS-Lehrgangs «IT Architecture». In diesem Lehrgang wird gezeigt, wie die Mittel der Digitalisierung effektiv zur Weiterentwicklung eines Unternehmens und seiner IT-Infrastruktur genutzt werden können, sodass sie wichtige Geschäftsaspekte eines Unternehmens effizient und flexibel unterstützen. Der Lehrgang richtet sich an Personen, die für Teile eines Unternehmens oder sogar für ganze Unternehmen die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen möchten, wie angehende Unternehmensarchitekten, Business Engineers und Business Analysten, Programm-/Portfolio-Manager sowie IT-Projektleiter und Lösungsarchitekten.
CAS-Lehrgang «IT Architecture»Haben wir Ihr Interesse an den neuen CAS-Lehrgängen «IT Architecture» geweckt? Dann besuchen Sie die Informationsveranstaltung, um mehr über darüber zu erfahren oder melden Sie sich direkt für einen der folgende CAS-Lehrgänge mit Spezialisierung an: |
Haben wir Ihr Interesse an den neuen CAS-Lehrgängen «IT Architecture» geweckt? Dann besuchen Sie die Informationsveranstaltung, um mehr über darüber zu erfahren oder melden Sie sich direkt für einen der folgende CAS-Lehrgänge mit Spezialisierung an:
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1 Die beiden Fotos auf dem Bild sind übrigens beides Schachcomputer: links oben der analoge «El Ajedrecista» von Leonardo Torres y Quevedo aus dem Jahr 1912 und rechts unten der digitale «Deep Blue» von IBM aus dem Jahr 1997.
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